Makellos. 32:0 Punkte. Und ein letzter Spieltag, der noch einmal alles bündelt, was diese Saison ausgemacht hat: Qualität, klare Rollen und Momente, die fast schon an das legendäre USA Olympic Basketball-Team (Dream Team) bei den Olympic Games Barcelona 1992 erinnern.
Die Kulisse dazu: die traditionsreiche Dr.-Senn-Halle (Baujahr 1964). Vielleicht zum letzten Mal Schauplatz eines solchen Abends. Laut, eng, emotional – ein Ort, der an diesem Abend wie der Madison Square Garden im Kleinen wirkte. Und die Zuschauer: nicht nur dabei, sondern mittendrin. Sie waren einfach voll da. Jede Rallye wurde begleitet und jeder Punkt gefeiert.
Zum letzten Spiel gegen den Tabellendritten Kleinsteinbach 3 der legendären Aufstiegssaison traten wir nochmals mit der vollen Kapelle an, und zum letzten Mal in dieser Saison schlüpften unsere Helden in Fantasierollen:
Die Charaktere – das Team als Basketball-Starting Five
Dieses Team funktionierte wie eine eingespielte Basketball-Formation:
Alexander Krieger = Michael Jordan
Michael Jordan
Der Go-to-Guy. Er entschied Spiele, wenn sie eng wurden. Seine Aufschläge waren variabel wie ein komplettes Playbook – kurz, lang, Schnitt, Tempowechsel. Im offenen Spiel folgte die klare Lösung: Vorhanddruck kompromisslos wie ein Dunk im Fastbreak. Er war der Spieler, der Verantwortung nicht übernahm, sondern suchte.
Maurice Engel = Magic Johnson
Magic Johnson
Der Spielgestalter. Engel hielt das Tempo, beruhigte hektische Phasen und brachte Struktur in lange Ballwechsel. Er war derjenige, der das Spiel „las“, bevor es passierte.
Boris Pastler = Charles Barkley
Charles Barkley
Der emotionale X-Faktor. Laut, energisch, manchmal unberechenbar – aber genau deshalb spielentscheidend. Seine Rückhand war kein Standardschlag, sondern eine Aktion mit Risiko und maximaler Wirkung, vergleichbar mit einem weiten 3-Punkte-Wurf im Fastbreak.
Timo Berger = Karl Malone („The Mailman“)
Karl Malone
Der verlässliche Punktelieferant. Wenn es eng wurde, lieferte er. Keine Show, kein Lärm – aber absolute Konstanz. Defensiv stabil, offensiv genau im richtigen Moment da. Der Spieler, auf den man sich immer verlassen konnte.
Robin Maier = Clyde „The Glide“ Drexler
Clyde Drexler
Der elegante Finisher. Robin spielte mit fließender Leichtigkeit, immer im richtigen Timing, nie hektisch. Wie „The Glide“ löste er Situationen mit Ruhe und sauberer Technik und Kraft niemals mit Drama – effektiv, kontrolliert, und genau dann da, wenn Punkte gebraucht wurden (6 Einsätze). Leider beim letzten Spiel nicht vor Ort
Luca Vierling = Scottie Pippen
Scottie Pippen
Der Two-Way-Player. Vierling entschied Spiele über Aktivität: Aufschläge als Initiation wie gewonnene Sprungbälle, dann sofort der erste Angriff. Gleichzeitig war er extrem laufstark in der Defensive.
Alexander Wittmann = John Stockton
John Stockton
Der stille Stratege. Keine Highlights, aber maximale Kontrolle. Er verband, stabilisierte und sorgte dafür, dass das System nie auseinanderfiel.
Doppel 1: Engel / Berger – Kestler / Berbner 2:3 (10:12, 11:9,
6:11, 11:6, 8:11)
Ein sofortiger Playoff-Kampf. Engel brachte Struktur ins Spiel, Berger versuchte früh mit Blockspiel die Kontrolle zu übernehmen. Der erste Satz war ein reiner Schlagabtausch – lange Rallys, enge Entscheidungen, am Ende 10:12 verloren. Im zweiten Satz kam die Antwort: mehr Druck, bessere Platzierung, 11:9. Doch im dritten Satz kippte das Momentum klar (6:11), weil die Gegner die Passivität konsequent bestraften. Berger stellte im vierten Satz komplett um – tiefer Stand, konsequente Blockarbeit, weniger Risiko – und erzwang mit 11:6 den Entscheidungssatz. Dort blieb es bis zum Ende eng, kleine Fehler entschieden (8:11). Die Gäste aus Kleinsteinbach führten damit 0:1.
Doppel 2: Vierling / Wittmann – Mahmoud / Schmitt 3:1 (11:7, 8:11, 11:5, 11:5)
Vierling startete wie ein Spieler, der jedes Aufschlagrecht als gewonnenen Ballbesitz betrachtete. Seine Aufschläge setzten sofort Druck, Wittmann hielt das Spiel ruhig. Satz 1 (11:7) war klar kontrolliert. Im zweiten Satz verloren sie kurz den Rhythmus (8:11), weil die Gegner mehr Risiko gingen. Danach folgte die Reaktion wie ein klassischer Run im Basketball: Vierling erhöhte das Tempo im dritten Satz massiv, Wittmann sicherte ab – 11:5. Der vierte Satz war dann reine Kontrolle (11:5). Plankstadt konnte zum 1:1 ausgleichen.
Einzel 1: Krieger – Berbner 3:1 (11:5, 11:9, 11:13, 12:10)
Alex übernahm das Spiel wie Michael Jordan in seiner Prime. Seine Aufschläge waren unberechenbar – kurz, lang, Schnittwechsel – und eröffneten immer wieder freie Punkte. Im offenen Spiel attackierte er konsequent die Vorhandseite des Linkshänders, fast wie ein Dunk im Fastbreak: direkt, hart, ohne Umwege. Satz 1 (11:5) und Satz 2 (11:9) waren Kontrolle. Satz 3 kippte knapp (11:13), weil Berbner besser las und Alexs Angriffsbemühungen mehrfach reboundete. Doch im vierten Satz zeigte Alex Clutch-Qualität: ruhige Punkte in der Endphase, klare Entscheidungen – 12:10. Er holte damit die erste Plankstadter Führung: 2:1.
Einzel 2: Pastler – Kestler 1:3 (5:11, 13:11, 9:11, 5:11)
Ein ungewohnter Pastler. Der sonst explosive Barkley-Typ startete überraschend kontrolliert, fast zurückhaltend. Satz 1 ging klar verloren (5:11). Im zweiten Satz kam kurz der X-Faktor: Risiko, Emotion, Energie – 13:11. Danach fehlte jedoch die Konstanz. Satz 3 ging knapp weg (9:11), Satz 4 deutlich (5:11). Kleinsteinbach konnte zum 2:2 ausgleichen.
Einzel 3: Berger – Schmitt 3:2 (11:5, 9:11, 7:11, 11:6, 11:9)
Hier kam der „Mailman“. Berger lieferte genau dann, wenn es zählte. Satz 1 war stabil (11:5), danach kippte das Spiel kurz durch mehr Risiko des Gegners (9:11, 7:11). Aber Timo blieb ruhig, veränderte nichts hektisch, sondern stabilisierte sein Spiel – weniger Fehler, mehr Kontrolle. Satz 4 (11:6) war die Wende, Satz 5 (11:9) die logische Zustellung des Sieges. Kein Spektakel, nur Ergebnis. Er brachte Plankstadt erneut in Führung: 3:2.
Einzel 4: Vierling – Mahmoud 3:1 (11:8, 11:9, 6:11, 11:9)
Pippen-Rolle in Reinform. Luca entschied über Aktivität: Aufschlag als Vorteil, erster Angriff als Abschluss. Zwei enge Sätze gingen an ihn (11:8, 11:9), dann ein kurzer Einbruch (6:11). Aber er blieb im Spiel, lief alles zu und gewann den vierten Satz knapp (11:9). Luca zeigte echtes Verbandsliga-Niveau, drahtig und explosiv wie einst Scottie, der mit der 1-2-Kombination (Aufschlag–Vorhandrakete) Mahmoud wie bei einem Alley-Oop ausspielte und die Führung auf 4:2 ausbaute.
Einzel 5: Krieger – Kestler 3:0 (11:6, 11:2, 11:8)
Alex startete kontrolliert in Satz 1 (11:6), noch ohne maximale Schärfe, aber mit klarer Struktur. Dann versuchte Kestler über eine Bemerkung den Rhythmus zu stören – ein Moment, der das Gegenteil bewirkte. Krieger schaltete spürbar um, der Blick wurde klarer, die ersten Bälle aggressiver, der Druck höher.
Im zweiten Satz folgte der komplette „Run“: wie im Basketball ein Lauf ohne Gegenantwort, jeder Punkt wurde konsequent durchgespielt. 11:2 – ein Satz im echten Jordan-Modus, in dem alles funktionierte und der Gegner nur noch reagieren konnte.
Auch im dritten Satz blieb Alex dominant, jetzt etwas kontrollierter, aber weiterhin klar bestimmend. Frühe Führung, sichere Entscheidungen, keine Schwankungen – 11:8 und damit die endgültige Entscheidung. 5:2 für Plankstadt.
Einzel 6: Pastler – Berbner 3:2 (5:11, 8:11, 11:7, 11:4, 11:7)
Der Wendepunkt des Abends lag in diesem Spiel. Boris lag schnell 0:2 nach Sätzen zurück, während Berbner zusätzlich mit deutlichem Trash-Talk und Provokationen versuchte, das Match emotional zu drehen. Zunächst schien das Wirkung zu zeigen, doch ein „Charles Barkley“ wurde dadurch motiviert, und so kippte die Partie Schritt für Schritt.
Boris wurde von Ballwechsel zu Ballwechsel aggressiver und präsenter. Seine Rückhand bekam immer mehr Druck, seine Vorhand wurde geschmeidig und gezielt auf Berbners Vorhand eingesetzt.
Satz 3 (11:7) brachte den Bruch, Satz 4 (11:4) war die klare Kontrolle.
Der fünfte Satz wurde zum emotionalen Höhepunkt des Spiels. Ein langer, intensiver Rallyewechsel entschied das Match, abgeschlossen mit einer krachenden Rückhand von Boris – fast wie ein Logo-Three im Fastbreak, riskant, aber maximal wirkungsvoll. Der anschließende laute „Roooaarrr“-Jubel ließ die Dr.-Senn-Halle spürbar beben. 6:2 für Plankstadt – die Goldmedaille war damit bereits gesichert.
Einzel 7: Berger – Mahmoud 3:1 (11:5, 11:7, 2:11, 11:6)
Der Mailman blieb verlässlich. Timo bestätigte erneut seine Rolle und lieferte genau dann, wenn es darauf ankam. Er setzte Mahmoud konsequent unter Druck, nagelte ihn immer wieder auf der Rückhand fest und spielte ihn anschließend geduldig in die Vorhand aus.
Die ersten beiden Sätze gingen mit 11:5 und 11:7 klar an Timo. Im dritten Satz verlor er kurz den Zugriff (2:11), als Mahmoud mehr Risiko ging. Im vierten Satz fand er jedoch zurück zu seiner Linie, kontrollierte das Spiel wieder vollständig und gewann mit 11:6. 7:2 für Plankstadt.
Einzel 8: Vierling – Schmitt 3:0 (11:6, 11:8, 12:10)
Luca schloss den Abend souverän ab und bestätigte erneut seine Rolle als kompletter Two-Way-Player. Sein Spiel folgte konsequent dem Muster: Aufschläge als Initiation, Vorhand als Abschluss. Mit variablen Aufschlägen setzte er immer wieder den ersten Impuls und übernahm danach die Kontrolle über die Ballwechsel.
Schmitt fand kaum Zugriff auf das Aufschlagspiel und wirkte mehrfach irritiert, blickte wiederholt ungläubig auf seinen Schläger, da er die Aufschläge kaum lesen konnte. Luca blieb ruhig und spielte die Punkte konsequent aus.
Nach 11:6 und 11:8 blieb er auch in der Crunchtime stabil und gewann den dritten Satz mit 12:10. Damit stellte er den 8:2-Endstand sicher und wurde mit drei Siegen zum „Man of the Match“.
Und nach dem letzten Ballwechsel war es nicht vorbei. Es wurde weitergespielt – nur anders.
Mit den Zuschauern.
Mit Grillgut, Salaten, Gesprächen und Lachen.
Fazit
Die Dr.-Senn-Halle werden wir vermissen, aber wir freuen uns auch auf die Heimspiele in der neuen Planarena in der Verbandsoberliga. Die Mannschaft hat Großes und Einmaliges vollbracht und eine starke Verbandsliga richtig aufgemischt. Heimspiele liefen deutlich geschmeidiger als Auswärtsspiele, was an unserer großartigen Fangemeinde lag.
„Ich habe heute keine einzelnen Matches gesehen, sondern eine Mannschaft, die in den entscheidenden Momenten genau wusste, wer sie sein will. Jeder hat im richtigen Augenblick Verantwortung übernommen – auf seine eigene Art, mit seinem eigenen Charakter.
Genau das hat diese Saison ausgemacht: keine Zufälle, sondern Verlässlichkeit, Emotion und Timing.
Und wenn es tatsächlich das letzte Kapitel in dieser Halle war, dann war es ein Abschied, wie er kaum besser hätte geschrieben werden können: laut, intensiv, emotional – genau so, wie unser Sport sein sollte. 32:0 Punkte stehen am Ende, aber bleiben wird vor allem dieses gemeinsame Gefühl eines Abends, der mehr war als ein Spiel.“
Ein echtes Finale furioso.
Euer Coach (Arnd „Chuck Daly“)
T: Arnd von Conrady